Hans im Glück – Kittseer Version

Zu Tagesordnungspunkt „41. Bala Group“ der Gemeinderatssitzung vom 23. Februar 2018, fassen wir die Entwicklungsgeschichte und den Ausgang noch einmal zusammen, um daran zu erinnern und zukünftig derartige Entwicklungen besser zu hinterfragen und schon gar nicht zulassen. Nachdem sich die Geschichte beinahe unglaubwürdig anhört, geben wir diese in Märchenform wieder:

Hans im Glück – Kittseer Version

Es wollte einmal ein Schottergrubenbesitzer seine aufgelassene Schottergrube samt Schotterteich in Bauland für betuchte zukünftige Haus-am-Wasser-Liebhaber umwandeln, also wirklich „Kies“ machen. Er stellte also ein entsprechendes Ansuchen an die Gemeindeverwaltung, das dann auch bewilligt wurde mit der Auflage, etwa 24 000 m2 der 12 Hektar großen Fläche für öffentliche Zwecke der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

In den meist sehr heißen Sommermonaten wünschten sich vor allem die Kinder und Jugendliche eine Bade- und Erholungsmöglichkeit. Um aber keine zusätzlichen Aufwendungen für die Errichtung und Beaufsichtigung eines Badeplatzes entstehen zu lassen, hatte ein Gemeinderat, der gleichzeitig Immobiliengeschäfte betrieb, die rettende Idee: man könnte das Grundstück am Schotterteich einem Investor verkaufen, der es mit einem Restaurant-und Hotelbetrieb gewerblich nutzen und den badewilligen Dorfbewohnern zu günstigen Preisen zur Verfügung stellen könnte. Ein Angebot mit einer Kaufsumme von EUR 100.000 lag bereits vor, die Gemeinde musste sich nur mehr zwecks weiterer Ausformulierung des Kaufvertrages an den Anbieter binden, was vom erfreuten Gemeinderat auch flugs angenommen wurde.

Bei der Formulierung des endgültigen Vertrages kamen jedoch erste Bedenken: der „Investor“ musste sich die Finanzmittel für seine Restaurant- und Hotelpläne erst beschaffen, bestmöglich durch eine Belastung der neu erworbenen Liegenschaft, im Falle einer gewerbe- und wasserrechtlichen Nichtgenehmigung seines Projektes sollte es zu einer Rückabwicklung mit der Gemeinde kommen, die Gemeinde sollte ihn schadlos für bereits aufgelaufene Kosten halten.

In der Gemeinde fanden sich mutige Bürger, die die private Verwertung des für Erholungszwecke der Öffentlichkeit unentgeltlich überlassenen Grundstückes als rechtswidrig anprangerten und einen Rücktritt vom Verkaufsversprechen forderten. In der Folge verging dem Kaufwilligen zunehmend die Investitionslust. Allerdings machte er nun aufgelaufene Kosten für sein Projekt geltend, darunter Architekten- und Maklerhonorare. Mit einer Vergleichssumme von EUR 125.000 wurden schließlich sein Ansprüche von der Gemeinde abgegolten, sodass nach Bezahlung der ebenfalls an die Gemeinde überwälzten Anwalts- und Notariatskosten nach mehr als fünf Jahren Rechtsstreit – und fünf heißen Sommern – für das unentgeltlich zur öffentlichen Nutzung überlassene Grundstück Kosten von etwa EUR 200.000 zu Lasten der Gemeinde aufgelaufen waren.

Nur zur Erinnerung: Hans im Glück hatte sich in harter Arbeit in der Fremde einen Goldklumpen erworben, den er auf dem Weg in die Heimat so lange zuerst gegen ein Pferd, dann gegen eine Kuh, dann gegen ein Schwein, schließlich gegen eine Gans und dann gegen Schleifsteine, die ins Wasser plumpsten, gegentauschte, bis er schließlich ohne Gut und Geld bei seiner Mutter ankam. Der Kittseer Badeteichschotter erwies sich zwar nicht als Goldklumpen, aber doch ertragreich für die an der Verwertung beteiligten Makler, Planer, Inverstoren, Rechtsanwälte und Notare. Ob am Ende doch noch Kittseer Kinder und Jugendliche ihr Glück an heißen Sommertagen im kühlen Nass des Badeteiches finden werden?

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